Recherchereise nach Münsterschwarzach – Einsicht in den Nachlass

Abtei Münsterschwarzach, Nicole Rensmann, Lore Friedrich-Grona
Abtei Münsterschwarzach

Kurz nach halb sieben waren wir – mein Mann und ich – auf der Autobahn. Schweigsam, voller Neugier und Erwartung fuhren wir dem Sonnenaufgang entgegen, Richtung Münsterschwarzach, auf den Spuren von Lore Friedrich-Gronau.

Wir kamen beinahe pünktlich zur vereinbarten Uhrzeit, um zehn Uhr, in der Abtei an.

Pater Franziskus empfing uns freundlich. Zunächst führte er uns zu dem Tondo, das am Eingang des Klosters hängt und St. Benedikt zeigt. Zügig ging es weiter, am Kloster vorbei, durch den Seiteneingang zur Krypta. Hier hängt das Bronze-Relief mit der Heiligen Felizitas und ihren sieben Söhnen. Unverkennbar von Lore Friedrich-Gronau.

Die Klosterkirche hat 12 Altäre, drei davon hat Lore Friedrich-Gronau gestaltet. In der Seitenkapelle befinden sich die 15 Kreuzweg-Stationen von Lore Friedrich-Gronau – ein monumentales Werk, vollkommen unabhängig davon, welcher Glaube gelebt wird. Hier geht es um Kunst und Kultur.

Bei der Betrachtung der Piéta bekomme ich Gänsehaut. Das Leid, die Trauer Marias – der Mutter, die ihren toten Sohn in den Armen hält – zeigt sich in Gesicht und Haltung. Ich muss schlucken.

Wir unterhalten uns über ihre Arbeit. Pater Franziskus und ich sind uns einig, dass sie eine Künstlerin war, der es gelang, ihren Figuren Leid und Freude, Schwung und Eleganz zu verleihen und somit Leben einzuhauchen.

Für die Öffentlichkeit unzugänglich

Im Kloster hängen noch weitere Kunstwerke – ein weiteres Tondo, Maria mit Kind als Standfigur und Maria mit Kind als Bronze-Relief.
Ich darf einen kurzen Blick darauf werfen.

Im Keller lagern Kleinkunstwerke von Lore Friedrich-Gronau aus unterschiedlichen Materialien, manche sind nur Entwürfe. Viele davon hatte sie in ihrem eigenen Atelier stehen.

Eine Mammut-Arbeit: Einsicht in den Nachlass.

In der Bücherei wartete ein Wagen voll gepackt mit beschrifteten und geordneten Unterlagen auf uns.

In vier Stunden hatten wir alles gesichtet und fotografiert. Es war ein Kraft-Akt in jeglicher Hinsicht. Da hieß es Emotionen ausschalten und im Tunnel arbeiten. Gerne hätte ich mir viel mehr Zeit gelassen, aber aus organisatorischen Gründen war das nicht möglich.

Doch jetzt geht meine Arbeit erst los. Fotos und Unterlagen ordnen, nachrecherchieren. Lücken füllen und Antworten finden auf Fragen, die sich anhand von Briefen und Fotos ergeben haben.

Abschließend haben wir noch ihr Grab besucht.

Ich empfinde Ehrfurcht und Bewunderung für ihr Schaffenswerk, aber auch Begeisterung und Freude darüber, wie sehr ihre Kunst in der Abtei weiterlebt und mit Respekt behandelt wird.

Danke, dass mir dieser Einblick gewährt wurde. Es war ein einzigartiges Erlebnis für mich, aber auch für meine Arbeit an der Biografie von Lore Friedrich-Gronau.

Als die Sonne unterging befanden wir uns wieder auf der Autobahn Richtung Heimat.

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