Rosenthal-Teller von L.F.G. – eine runde Seltenheit

Dieser Sammelteller taucht in keiner Liste und keinem Buch auf. Und selbst das Porzellanikon kannte den von Lore Friedrich-Gronau bemalten Teller nicht. Ein Grund ihn hier näher vorzustellen.

Aussehen

Auf dem ersten Blick ist zu erkennen: Die Malerei stammt von Lore Friedrich-Gronau. Typisch ist das wellige Haar, die zum Himmel ragenden spitz zulaufenden Flügel, und die feinen Gesichter. Engel dieser Art sind in ihren Zeichnungen, Abbildungen oder Skulpturen – sakral oder weihnachtlich – häufig zu finden.

Auch das Signet beweist, dieser Teller wurde von L.F.G. bemalt. Die feinen Linien der Handmalerei lassen sich mit dem Finger nachziehen.

Der Teller zeigt eine Königin Mutter mit einem Kind, das ebenfalls eine Krone trägt. Begleitet werden sie von zwei Engeln.

Der Teller ist mit „Regina Pacis Anno Sancto 1950“ beschriftet.
Die Darstellungen sind in kobaltblau gemalt. Zepter, Kronen, Bänder und Sterne auf dem weiten Gewand sind goldfarben. Lore Friedrich-Gronau hat mit L.F.G. in Gold signiert.

Das gesamte Motiv ähnelt den Zeichnungen, die L.F.G. für zahlreiche religiöse Ratgeber gezeichnet hat.

Fertigung

Laut Stempel wurde der Teller im Hauptwerk Selb hergestellt. Zwei Punkte wurden 1936 benutzt, standen aber über dem Selb, nicht darunter.
Die Schlaufe am Ende von Rosenthal verschwindet im Stempel ab 1957. Da auf dem Teller vorne 1950 steht, dürfte dieser Sammelteller kurz vor oder nach 1950 entstanden sein.

Am 01.11.1950 verkündete Papst Pius XII das Dogma der leiblichen Aufnahme Mariens in den Himmel.
Möglicherweise wurden die Teller anlässlich dieses Ereignisses angefertigt.

Fachleute

Eine Rückfrage im Porzellanikon bestätigte: Von diesem Teller hatte auch das Rosenthal-Museum und die Kuratorin Petra Werner noch nichts gehört oder gesehen.

Ich durchforstete noch einmal alle meine Porzellan- und Rosenthalbücher, in der Annahme, ich hätte diesen Teller übersehen. Nichts.
Auch »Das Bradford Buch der Sammelteller« listete keinen Teller auf, der von Lore Friedrich-Gronau bemalt wurde.

Ebenso suchte ich nach der exakten Darstellung des Stempels. Fehlanzeige.

Ein Einzelstück? Das nicht.

Im Internet taucht der Sammelteller ab und an in den Verkaufsportalen auf, selten wird jedoch der Name der Künstlerin genannt, darum war das Auffinden reiner Zufall.

Literatur

Auch wenn ich in den nachstehenden Verzeichnissen keine Informationen gefunden habe, hier eine kleine Liste der Nachschlagewerke, die ich zur Rate gezogen habe:

  • Die Rosenthal Story 1889 – 1979 von Schreiber/Honisch/Simonei
  • Rosenthal Porzellan vom Jugendstil zur Studioline
  • Rosenthal – Hundert Jahre Porzellan, Ausstellungskatalog
  • Rosenthal – Service, Figuren und Kunstobjekte von Dieter Struss
  • Das Bradford Buch der Sammelteller
  • Rosenthal – Ein Mythos (Hrsg. Freunde des Rosenthal-Porzellans e.V.)

Weitererzählen erlaubt!

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